Die Ethik des Journalismus in Zeiten von Trump

Eigentlich konnte nichts schiefgehen. Die Demographen hielten die Chancen eines Wahlsieges von Donald Trump für sehr gering. Hillary Clinton investierte in den Wahlkampf fast doppelt so viel wie ihr Kontrahent. Im Gegensatz zu ihren Konkurrenten verfügt sie in jeder Stadt über sogenannte Hillary HQs, in denen freiwillige Wahlhelfer die Wahlkampagne tatkräftig unterstützen konnten. Von allen relevanten Metropolen hatte Trump nur in Las Vegas die Nase vorn. Es hat alles nichts geholfen. Er hat gewonnen.

They both suck donkeyballs

“Hi, it’s Luke with Hillary and the Nevada Dems”. Ich sitze in einem fensterlosen, stickigen Raum zwischen Demokraten und tippe auf den immer gleichen Button auf einer mobilen Webseite. Irgendwann hat ein US Gericht verboten, daß solche SMS automatisiert verschickt werden dürfen. Aus diesem Grund muß nun immer ein Mensch diese Nachrichten anstoßen. In der Praxis läuft dies so ab, daß man mit dem Zeigefinger auf die immer gleiche Stelle seines Mobiltelefons tippt. In einer Stadt, die sich anschickt die Menschheit durch den Ausbau der künstlichen Intelligenz auf den Kopf zu stellen, sind wir ein Haufen von Wippvögeln.

In einem US-Wahlkampf sind Menschen mit weißer Hautfarbe überproportional stark vertreten. Ein paar Asiaten, sehr wenige Schwarze und einen lauten transexuellen Menschen konnte man hier antreffen. Weiße Frauen jedes Alters schienen die Mehrheit zu stellen. Während fremde Menschen in Nevada angelogen werden und auch dafür passende Antworten bekommen, spüre ich die Nervosität bei den Wahlhelfern. Niemand hier hält das Rennen für gelaufen, alle sind nervös, die Stimmung depressiv. Man versucht sich aufzumuntern. Lange hält man das nicht aus, zum Glück will auch die Kampagnenleitung nach 22 Uhr keine Spam-SMS mehr versenden. Ich schließe mich einer Gruppe von Helfern an, die noch etwas trinken gehen wollen.

In der Bar angekommen, steht eine beeindruckende große, schwarze Butch hinter der Theke. Unsere Anmerkung, daß wir gerade von der Kampagne kommen, macht sie argwöhnisch. Sie baut sich hinter der Theke auf und fragt mit kritischem Blick, wen wir denn unterstützen würden. “Just checking. You never know.” ist ihr Kommentar nach unserer Erwiderung. Eine Gruppe weißer Wahlkampfhelfer ist erst einmal verdächtig, auch oder gerade im Schwulenviertel Castro. Nach einigen Cocktails werden die Gespräche intensiver. „Unterstützt Du etwa Trump?”, mit aufgerissenen Augen und schwankend vom Alkohol werde ich kritisch taxiert. In einer Mischung aus Schreck und Alkoholmißbrauch rutschte mein Gesprächspartner fast vom Barhocker. Die lapidare Anmerkung, daß ein Nationalstaat Grenzen hat und benötigt, ging über den Konsens dieser Gruppe hinaus. Am Ende wogen meine Handlungen als Wahlhelfer schwerer als der Verdacht ein Trump-Unterstützer zu sein.

Mit Widersprüchlichkeiten können Amerikaner nicht gut umgehen und verbuchten es wahrscheinlich auf den Alkohol. Ich hätte zwar anmerken können, daß Hillary auch eine Mauer zu Mexiko bauen wollte, sie nannte diese nur „Zaun“. Aber man muß nicht immer allen den Spiegel vorhalten. Wir sind hier nicht im Internet und außerdem wurde ich von diesen freundlichen Menschen eingeladen.

Jack Dorseys Unhold und Deutschlands Beruf

Bei der Wahl von Obama waren die Medien voll des Lobes für seine Einbindung der sozialen Kanäle. “Keiner ist darin so brilliant wie Obama. (…) Seine Netzkampagne wird die Wahl maßgeblich beeinflussen”, schrieb Spiegel Online im Jahr 2008. Es ist schwer vorstellbar, daß ein deutscher Journalist ähnliches über Trump schreiben würde. Denn dazu würde das Eingeständnis gehören, daß man mit einem Twitter-Account die Medien an einem Nasenring durch die Manege führen kann.

Twitter also. Disruptor des Gatekeepings und Hort der freien Rede, bis es dem liberalen Gründer zu viel wurde, er Provokateure wie Milo Yiannopoulos lebenslang verbannt hat und derzeit versucht die Kontrolle durch Änderung der Algorithmen wiederzuerlangen. Nicht ohne Ironie fand die GOP Wahlparty im Twitter-Gebäude statt. Während unten Republikaner die Wahl feierten, saß eine Etage darüber vielleicht Jack Dorsey und dachte über sein Lebenswerk nach. Und fühlte sich wie Dr. Frankenstein.

Die Grand Old Party in San Francisco ist ein ziemlich bunter Haufen und hält ihre monatlichen Treffen in diesen Räumlichkeiten ab. Nach der Wahl von Trump regte genau das einen deutschen Untermieter ziemlich auf. Wie man dieser Partei denn einen Ort der Versammlung bieten könnte, lautete seine empörte Klage. Daraufhin erhob sich die beleibte farbige Empfangsdame von ihrem Stuhl und gab ihm eine Einführung in die amerikanische Debattenkultur: Es stehe ihm frei an den monatlichen Treffen teilzunehmen und dort seine Meinung zu vertreten. Er hat es nicht gemacht. Die Vertreterin einer Minderheit, die für die freie Rede eintritt und den empörten Deutschen auffordert mit dem politischen Gegner zu debattieren, war wahrscheinlich das Letzte, womit dieser aufgrund seiner Sozialisierung gerechnet hatte.

„The Art of the Deal“ im Zipper-Beutel

Vielleicht liegt es am Minderheitenstatus in dieser Stadt, aber die interessanteren Leute findet man an diesem Ort. Der Schwarze, der eine alte, signierte Ausgabe des Bestsellers “The Art of the Deal” in einem Zipper-Beutel mit sich herumträgt. Die zurückhaltenden asiatischen Ehepaare, die keinen Augenkontakt halten. Die Partei-Kader in schlechtsitzenden Anzügen und launigen Reden. Eine Gruppe Jugendlicher, die Infowars-Aufkleber verteilt und jedes Mal “Lock her up” skandiert, wenn Hillary Clinton auf FOX gezeigt wird. So etwas wie ein Logenmeister eines katholischen Ordens, dessen Existenz irgendwie Irritation hervorruft. Der komische Vogel in einem Stars-and-Stripes Anzug. Single-Frauen auf der Suche nach einem Partner gleicher Gesinnung. Ein Sanders-Unterstützer mit Dreadlocks, der sich diebisch über die Trump-Wahl freut. Der Abend endete mit einem unfreundlichen Empfang von vermummten Gestalten vor dem Eingang. Die gewaltbereite Antifa gibt es auch in den USA.

Am Tag nach der Wahl gab es mehrere Demonstrationen auf der Hauptstrasse. Mittags die Schüler, am Nachmittag die Studenten. “Move Trump, get out off the way”, skandierten die Sprechchöre. Die Reaktionen der Passanten am Strassenrand waren durchwachsen. Ein Schwarzer murmelt “He is now our president anyway”. Andere schüttelten den Kopf, von den Menschen auf dem Bürgersteig gab es wenig Unterstützung. Ein Infowars-Anhänger mit einem Anti-Hillary T-Shirt mischte sich unter die Demonstranten und versuchte mit seiner Anwesenheit zu provozieren. Niemand beachtete ihn. An einem 1. Mai im Hamburger Schanzenviertel hätte er die gewünschte Reaktion erhalten. Am darauffolgenden Tag demonstrierten auch die Schüler nicht mehr. Wahrscheinlich aufgrund des schulfreien Veteranentags: der Grund blau zu machen, war nicht von Nöten.

Die Lügen der Anderen

In diesen Tagen war ich froh, fern der Heimat und seiner Medien zu sein. Freunde berichteten mir, daß die Berichterstattung in Deutschland aus den Fugen geraten sei. Jeder erinnert sich an das Cover des Hamburger Nachrichtenmagazins, auf dem Trump als Meteor der Erde entgegen rast. Seit diesen Tagen stelle ich mir die Spiegel-Redaktion immer wie ein gallisches Dorf vor, das befürchtet, daß ihm der Himmel auf den Kopf fällt.

In diesen Tagen ist viel von der Manipulation durch Fake News, Filterblasen und Lügenpresse zu lesen. Je nach eigener geistiger Ausrichtung wird einer der Begriffe verwendet, um das gleiche Phänomen zu beschreiben. Im Kern ist es der Glaube, daß die Gegenseite nicht der gleichen Meinung ist, weil gelogen und manipuliert wird. Über Trump, Clinton, Flüchtlingskrise, Brexit, Euro, Erdogan etc.  Diese Liste ließe sich beliebig erweitern. Aber es würde den Rahmen sprengen, hier über Wahrheit zu philosophieren. Man tut gut daran, extreme Positionen zu vermeiden. Ebenso wenig wie es die Gleichförmigkeit der Sinne gibt, sollte man auf das Unbedingte der Willenshandlung bestehen.

Kampf um das Schleusentor

Seitdem Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert mit der Druckerpresse die Informationstechnologie erfunden hat, ist jeder technologische Sprung mit erheblichen gesellschaftlichen Verwerfungen verbunden. Die europäischen Religionskriege im 15.-17. Jahrhundert und die Spaltung des Christentums wären nicht denkbar ohne den Buchdruck. Wenn es damals die Begriffe Fake News und Lügenpresse gegeben hätte, die Katholiken und Protestanten hätten reichlich davon Gebrauch gemacht. Die Parallelen sind frappierend. Die Kirche hat den Zugang zur Bibel reglementiert, die ihr der Buchdruck  entrissen hat. Man müßte wahrscheinlich lange nach jemandem suchen, der heute die Kirche von damals verteidigen würde. Durch die Filterung und Reduktion der biblischen Inhalte durch die Kirche wurden der Öffentlichkeit wichtige Informationen vorenthalten. Die Offenlegung sowie der zehntausendfache Druck von Luthers Thesen wurde eine mächtige Gegenöffentlichkeit geschaffen, die Europa radikal verändert hat.

Dank der, heute zu Unrecht verpönten, Kleinstaaterei hatte Luther räumliche und intellektuelle Ausweichmöglichkeiten, die in Folge die ganze Welt beeinflußt haben. Die Erinnerung an den Wettstreit der Ideen und Regionen kommt in den Diskussionen über die Herausforderungen in Europa nicht vor. Seitdem die Fehler der Vergangenheit offen hervortreten und die Lösungen als alternativlos gezeichnet werden, steigt die Kritik an den Zuständen. Wird dieser Widerrede ausschliesslich mit der Erzählung des 20.Jahrhunderts begegnet, werden wichtige Erfahrungen der europäischen Geschichte nicht beachtet.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie sollte immer Mahnung sein. Wenn die Menge der verfügbaren Informationen schneller wächst, als unsere kulturelle Adaption mit diesen Informationen umgeht und wir nicht mehr zwischen nützlichen und unwichtigen Informationen umzugehen wissen, dann wird es gefährlich. Nate Silver schrieb dazu: “Paradoxerweise trug die Zunahme gemeinsamer Informationen zu einer Isolation entlang nationaler und religiöser Grenzen bei. Wenn wir mit zu vielen Informationen konfrontiert werden, nehmen wir eine instinktive Abkürzung, indem wir sie selektiv verwenden und das aussuchen, was uns gefällt, und den Rest ignorieren.”

Der Verlust der Hoheit der Informationsfilterung und -reduktion sowie der Modifikation und Bearbeitung, muss die etablierten Medien schmerzen. Das Gatekeeping, welches den Journalisten Deutungshoheit und den Verlagen Profite garantierte, ist ihnen entglitten und teilweise in die Hände der Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley gewandert. Im Kern folgen diese noch heute der kalifornischen Ideologie, daran wird auch der mittelmässige Jurist und Justizminister Heiko Maas mit seinen restaurativen Ideen nichts ändern.

Die Reaktion ist eine Verschärfung der Debatte und die Einengung des Debattenspektrums. Wer Breitbart News dafür kritisiert, daß sie mit provokativen Überschriften agieren, der sollte bedenken, daß Rudolf Augstein, so er denn noch leben würde, wahrscheinlich die halbe Redaktion entlassen würde, nach der Sichtung der Überschriften bei bento.

Die Zeiten ändern sich aber und entweder hat man verstanden, daß Überschriften in den digitalen Medien die Funktion des Titelblatts übernommen haben oder man versteht einfach den Medienwandel nicht.

Politisierung der Amateure und Lügner

Zu einer Sache sind die etablierten Medien allerdings noch in der Lage. Sie politisieren die bisher Unpolitischen und schaffen das Gefühl, daß die Zeit des Kampfes gekommen ist. In einem Kampf gibt es nur zwei Seiten und jeder, der Kritik an den Zuständen übt, gerät in den Verdacht auf der anderen, der falschen Seite zu stehen. Dabei scheinen die Schattierungen der Positionen unerheblich, der Sieg muss total sein und wenige nehmen sich die Zeit für eine Differenzierung. Die unsicheren Kantonisten sollen Farbe bekennen, und zu diesem Zweck werden sie vorsorglich wirtschaftlich angegriffen.

Dies ist eine Geschichte des Angriffs auf die bürgerliche Kritik. Dazu gibt es viele, aber diese Episode fängt mit einem Blick in die Hultschiner Strasse in München an. Hier arbeitet manchmal Frank Zimmer, ein Online-Redakteur von Werben & Verkaufen aus dem Hause der Süddeutschen Zeitung. Diese Zeitschrift ist ein Fachblatt der Werbebranche und muß sich nicht um hochpreisige Anzeigen sorgen. So gibt es Sonderausgaben, die zu mehr als einem Drittel aus Anzeigen bestehen. Aber auch solch eine Fachzeitschrift kämpft gegen sinkende Auflagen und versuchte sich vor einiger Zeit an einer Neuerfindung.

Mehr Hintergrundberichte, weniger Agenturmeldungen, dafür Kritisches zu Werbeagenturen sollten das Ruder herumreißen. Wenn die Mediaagenturen den Zenit ihrer Margen überschritten haben, Marken ihr werbliches Schicksal zunehmend in die eigenen Hände nehmen und darüber hinaus die Konkurrenz aus Frankfurt hierbei besser positioniert ist, dann ist dies eine solide Strategie. Aber eine kritische Berichterstattung ist nicht einfach, wenn man damit die Hand beißt, die einen füttert. In diesem Fall bestanden die Bisse aus ein paar Anrufen in der Redaktion und die Welt war wieder in Ordnung. Man kann nur vermuten, ob hier Frank Zimmer verinnerlicht hat, daß man Journalismus in die gewünschte Richtung lenken kann, wenn man Druck auf die Werbeeinnahmen ausübt.

Bei seinen Kollegen im Verlag ist er als links-liberaler Grüner bekannt, der sich nicht durch besondere politische Aussagen hervorgetan hat. Ein wohlmeinender Mensch mit dem Gefühl auf der richtigen Seite zu stehen. Vor den besagten Ereignissen hielt sich Zimmer weitestgehend mit politischen Äußerungen zurück, auch wenn man an seinen Retweets erkennen kann, welchen Medien er weniger wohl gesonnen ist.

Ein Herz für Nordkorea

Dies änderte sich allerdings als Gerald Hensel von Scholz & Friends die politische Bühne betritt. Über diesen Vorfall hat die Achse des Guten in mehreren Artikeln berichtet und diese auch chronologisch aufgearbeitet. Ein Punkt wurde aus meiner Sicht aber nicht ausreichend beleuchtet. Die Motivation.  Auf seinem privaten Blog rief Hensel nach dem Vorbild von Sleeping Giants zu einem Werbeboykott rechter Medien auf oder dem, was er dafür hielt. Nebst einer detaillierten Anleitung für die Denunziation aus der guten Stube heraus.

In diesem Artikel hat er beispielhaft Breitbart News, Achse des Guten, PI-News sowie Compact erwähnt, die “zweifellos (…) legale Medien” sind und führte weiter aus “dennoch kann man Marken natürlich mal fragen ob sie wissen (…) daß ihre Banner auf entsprechenden Seiten stehen und dort ihre Marke repräsentieren”. Der Autorenblog Achse des Gutes wurde als einziges Medium zweimal erwähnt. Diese Gewichtung war kein Zufall.

Die Achse des Guten stellt eines der wenigen lohnenden Ziele für einen solchen Boykottaufruf dar. Breitbart News als eine amerikanische Seite mit wenigen deutschen Besuchern ist den Aufwand kaum wert. PI-News ist eine islamfeindliche Website mit unbekannten Betreibern, die alleine aus diesem einfachen Grund niemals einen seriösen Vermarkter finden würde. Das compact-Magazin von Jürgen Elsässer finanziert sich hauptsächlich durch Abonnenten und durch die Ausrichtung von Kongressen. Der manchmal erhobene Vorwurf, daß compact Gelder aus Russland bezieht, kann ich nicht beurteilen, dafür bin ich dieser Szene zu fern. Es ist aber auch nicht völlig abwegig.

Bleibt alleine die Achse. Ein renommierter Autorenblog von namhaften Journalisten, die Mitte der 2000er Jahre als Gegenmeinung zur antiamerikanischen Stimmung im deutschen Blätterwald während der Bush-Ära entstanden ist. Hier findet man Zweitverwertungen, Links zu etablierten Medien sowie exklusive Artikel. Verbindendes Element ist, daß die Artikel vom Hauptstrom der veröffentlichten Meinungen abweichen. Der Erfolg solch eines Aggregators bestätigt die Klage auf konservativer Seite, daß abweichende Meinungen nur wenig Gehör finden. Man muss schon Seiten wie die Achse des Guten ansteuern, um diskursive Meinungen im Mainstream zu finden.

Wieso konzentrierte sich aber Gerald Hensel auf die Achse des Guten? War es alleine die Tatsache, daß rechte Medien mangels fehlender Werbung kein geeignetes Ziel seiner Kampagne darstellen und die Achse einen seriösen Vermarktungspartner hatte? Und wieso hat er Tichys Einblick nicht in diese Auflistung mit aufgenommen? Schließlich hat dieses Magazin mit ähnlichen Themen innerhalb von kurzer Zeit noch mehr Leser an sich gebunden und es war ihm nachweislich bekannt. Diese zentralen Fragen kann man beantworten, wenn man  die Unterschiede zwischen Achse des Guten und Tichys Einblick betrachtet und sich mit den öffentlichen Äußerungen von Gerald Hensel auf Twitter sowie seinem Blog „Davai, Davai“ befaßt.

Die Achse des Guten ist dem israelischen Staat freundlich gesonnen und spielt eine wichtige Rolle. In den ersten zwei Monaten sind etwa 30 Artikel zu Israel erschienen, in denen Partei für den israelischen Staat genommen wurde. Im gleichen Zeitraum erschien nur ein Artikel zum israelischen Konflikt bei Tichys Einblick. Das Magazin setzt die Schwerpunkte eher auf Innenpolitik und Wirtschaftsthemen, auch wenn Roland Tichy unregelmässig in der Jewish Voice of Germany schreibt und der Chefredakteur von JVoG ein regelmässiger Kolumnist bei Tichys Einblick ist.

Bevor Hensel seinen Twitteraccount und seinen Blog sperrte, konnten ein paar Fundstücke gesichert werden, die einen kleinen Einblick in seine Geisteswelt geben. So bezeichnet er unter anderem Nordkorea als „Demokratische Volksrepublik Korea“ und beschreibt diese als “vermeintlichen Schurkenstaat”. Wahrscheinlich kam er bei seiner wissenschaftlichen Arbeit zu den Rüstungsverhandlungen mit Nordkorea zu dem Schluss, daß dieses Regime nur dem Anschein nach ein Schurkenstaat ist. Wahrscheinlicher ist aber eine der üblichen Kokettierungen mit dem vermeintlich sozialistischen Bösen. Dies ist in linksextremen Kreisen nicht ungewöhnlich, im Falle von Nordkorea allerdings eine Kuriosität. Im völligen Einklang mit dem linken Rand ist er allerdings mit seiner Israelkritik.

Israel verdient seine schützende Hand nicht. Der Ministerpräsident des einzigen liberalen Rechtsstaats im Mittleren Osten bezeichnet er als “terrible, evil human being” und “manipulative liar”. Den Palästinensern gesteht er nur eine Opferrolle zu. Einen Auszug Hensels gesammelter Werke kann man hier einsehen. Er befindet sich damit in bester antisemitischer Tradition der extremen Linken. Den Vorwurf des Antisemitismus wies er strikt von sich, man sollte keine Zweifel an seiner Aufrichtigkeit hegen, daß er denkt, keiner zu sein. Sein Narrativ ist aber der antizionistische Antisemitismus, damit wurde er das erste Mal außerhalb seiner Filterblase im progressiven Berlin und seinem Agentur-Umfeld konfrontiert. Die Bundeszentrale für politische Bildung schrieb zu einem solchen Weltbild folgendes:

Als abgeschwächtere Variante des Antizionismus kann die pauschale „Verdammung“ Israels als negativer Kraft gelten, welche nicht notwendigerweise mit der ohnehin unrealistisch erscheinenden Forderung nach Aufhebung der staatlichen Existenz verbunden sein muss. So wird der Staat der Juden als angeblich alleiniger Verantwortlicher für den Nahost-Konflikt verantwortlich gemacht (…)

Man darf doch Israel kritisieren, ohne gleich als Antisemit bezeichnet zu werden, wird sich so mancher Leser vielleicht denken. Und natürlich darf man dies. Aber wenn sich diese Kritik ausschliesslich auf Israel beschränkt, sollte man nicht verwundert darüber sein, wenn wenig Trennendes liegt zwischen jenen deutschen RAF-Terroristen, die bei der Landshut-Entführung Juden von den restlichen Passagieren trennten, und einem selbst.

Solchen Leuten erzähle ich immer, daß wenn die Palästinenser heute die Waffen niederlegen, es schon morgen Frieden geben wird. Wenn die Israelis dies tun, dann gibt es morgen kein Israel mehr. Der Holocaust würde sich ein zweites Mal wiederholen. Ich habe noch nie eine gescheite Erwiderung darauf erhalten.

Diese Art der einseitigen Israelkritik ist in Deutschland leider konsensfähig. Aber Hensel hat jetzt am eigenen Leib erfahren, daß dies im angelsächsischen Raum als Antisemitismus gewertet wird. Vielleicht hätte er die direkten Beschwerden der Media-Kunden bei seinem Arbeitgeber überlebt. Aber Scholz & Friends gehört zur WPP. Dessen Gründer Martin Sorrell hat mit großer Kraft aus einem Kleinunternehmen die größte Werbeagentur der Welt geschaffen. Seine Eltern, jüdische Immigranten, flohen aus der Ukraine. Hensels Schicksal wurde in London besiegelt. Davai, Davai.

No-win Situation

Bei dieser Aktion gab es nur Verlierer. Hensel war seinen Job los und muss fortan mit dem Vorwurf und dem Makel des Antisemitismus leben. Das ist in Deutschland nicht weiter tragisch, hier befindet er sich mit Jakob Augstein in bester Gesellschaft. Pech für ihn, daß er nicht zusammen mit seiner Schwester ein Viertel der Anteile an Scholz & Friends hält. Viel schlimmer für ihn wiegt allerdings, daß er eine politische Kampagne gestartet hat, die seinen Arbeitgebern und deren Kunden erheblich geschadet hat. Danach sprach er von „manipulativen Knoten“. Hier kann jeder selbst beurteilen, ob Hensel einer Verschwörung oder seinem eigenen Unvermögen zum Opfer gefallen ist. Wie auch immer die Antwort lautet, er wird Berge versetzen müssen, daß eine dritte Partei wieder Vertrauen in sein strategisches Urteilsvermögen fassen wird. Das ging strategisch gewaltig in die Hose, Herr Director Strategy.

Auch auf der anderen Seite gab es Verluste. Die Achse des Guten hat ihren Vermarktungspartner verloren und muss sich seitdem mit niedrig bezahlteren Google-Anzeigen begnügen. Ob die Gespräche mit den Verlagen aus Berlin und München darunter gelitten haben, wird die Zeit zeigen.

Auch die Solidarität von Tichys Einblick hatte ebenfalls negative Auswirkungen, wenn auch nur kurzzeitig.

Aus rückwärtiger Feuerstellung

Die Enttäuschung von Frank Zimmer kann man sich gut vorstellen, darüber, daß diese Kampagne nicht so positiv verlief, schließlich hat er sie in der Werben & Verkaufen  auf das Podest der Aufmerksamkeit gehoben.

Man kann Frank Zimmer für einiges kritisieren, aber die Krone setzte allerdings sein Kommentar „Jetzt kommt die Hate-Economy“ in der Januar-Ausgabe der Druckausgabe Werben & Verkaufen auf. Der Artikel fand wenig Beachtung, weil man ihm nicht noch mehr Aufmerksamkeit schenken wollte, als er verdient. Allerdings ist er ein Musterexemplar dafür, daß Branchenmagazine sich mit politischer Kommentierung zurückhalten sollten, wenn sie nicht über trittfeste Journalisten verfügen.

„Denn jetzt etabliert sich neben den tradtionellen und inhaltlich harmlosen Innovationstreiber „Huffington Post“ oder „Buzzfeed“ eine neue, dritte Kraft im Medienmarkt: die Plattformen des Populismus.“

Dieser Satz ist exemplarisch für den Rest des Artikels voller Behauptungen und argumentationsfreier Thesen und zeigt wie wenig Ahnung Frank Zimmer hat.

Huffington Post und Buzzfeed sind die Erfinder des Populismus und Click-Baiting im Internet. Bei Huffington Post lernte der Co-Founder und Gründer von Breitbart News, der Jude, bekennende Zionist und mittlerweile verstorbene Andrew Breitbart sein Handwerk. Während Huffpost in den USA eher dem linken Spektrum zuzurechnen ist, gibt die Huffpost in Deutschlands, mangels zu großer Konkurrenz im linken Spektrum sowie deren Nähe zum Burda-Verlag, auch konservativen bis rechten Autoren Raum. Am Ende zählt nur, hüben wie drüben, der Erfolg in Form von Clicks.

Nun herrscht große Aufregung über Breitbart News, weil diese angeblich Trump zum Sieg geholfen haben und mit unseriösen Methoden Fake-News verbreiten sollen. Wieviel Wahrheit dahinter steckt, ist vielleicht Gegenstand einer anderen Betrachtung. Eines hat Breitbart News allerdings bis heute nicht geschafft, was Buzzfeed gelungen ist. Mit der Veröffentlichung von offensichtlichen Fake-News eine grosse Debatte im angelsächsischen Raum über die Ethik der Medien zu entfachen. Es ist bezeichnend, daß so gut wie jede politische Publikumszeitschrift  in Deutschland über Breitbart News berichtet hat, aber keine einzige über diese Buzzfeed-Geschichte.

Fairerweise angemerkt, geschah diese Veröffentlichung nach dem Redaktionsschluss der Januar-Ausgabe der Werben & Verkaufen. Aber wer in den Medien auf beiden Seiten des Atlantiks bewandert ist, weiß schon seit Jahren, daß Buzzfeed eine hochgradig unseriöse Quelle und in der politischen Berichterstattung alles andere als „harmlos“ ist.

Um dies zu wissen, muß man viel Zeit aufwenden, die politischen Diskussionen und die Medien beobachten. Die Quellen prüfen, zahlreiche Diskussionen verfolgen und über eine informierte und damit fundierte Meinung verfügen. Dies bedeutet einen großen Zeitaufwand für Politikjournalisten und bedarf einiger Erfahrung. Betreibt man dies nicht, so wie auch Frank Zimmer nicht, und veröffentlicht dann in einem etablierten Fachmagazin für Werbung eine uninformierte Meinung, dann leistet man der Desinformation der Leser genau den Vorschub, den man selber kritisiert und schadet damit der politischen Debattenkultur.

Aber die Zielsetzung dieses Kommentars war wahrscheinlich nicht die Information des Lesers sondern die Konstruktion eines Zusammenhangs zwischen Breitbart News, Achse des Guten und Tichys Einblick, ein späte Rache an dem Rausschmiss von Gerald Hensel sowie eine Warnung an beide Magazine, daß Zimmer über den Zugriff auf ein Sprachrohr in die Werbebranche verfügt. Wenn er urteilt, daß hier „Kampagnenjournalismus (…) nicht die Ausnahme, sondern die Geschäftsgrundlage (…) ohne Maß und ohne Regeln“ ist und dies nur damit begründet, daß beide Magazine sich bestimmt gegen einen Angriff auf die wirtschaftlichen Grundlage gewehrt haben, ist seine Recherche von wenig Tiefe geprägt.

In einem Interview vom 13.01.2017 zwischen Alexander Wallasch und Frank Zimmer gab es den folgenden Austausch:

AW: Welche zwei, drei Artikel bei Tichys Einblick haben Ihnen bisher am besten gefallen und warum?

FZ: Roland Tichys Artikel „Steinmeier oder Schulz“ vom 18. November 2016 finde ich z.B. interessant und gut geschrieben. Tichys Einblick hat sowieso eine Menge namhafter Autoren, das ist nicht der Punkt.

Am 18. November 2016 hat auch Gerald Hensel seinen initialen Artikel „Wir dürfen nicht mehr so unpolitisch sein“ bei der Werben & Verkaufen veröffentlicht. Dieser Zusammenhang ist schon sehr bemerkenswert, da Hensel sich in keiner Zeile dieses Artikels auf Tichys Einblick bezogen hat. Da ist viel Raum für Interpretationen.

Der Süddeutsche Verlag sollte sich gut überlegen, ob er sich hier zum Werkzeug der politischen Kampagnen eines ihrer Online-Redakteure machen will.

Es bleibt spannend. Insbesondere, weil Frank Zimmer sich auch bei dem Projekt Schmalbart engagiert, einer weiteren Initiative mit ähnlicher Zielsetzung mit noch fragwürdigen Methoden und Hintermännern.

Das Projekt Schmalbart nahm seinen Anfang mit der Veröffentlichung eines Textes von Christoph Kappes. Hierin postulierte er, daß Breitbart News „einen erheblichen Anteil an dem Wahlsieg von Trump“ hat und bald in Deutschland starten wolle. Er suche dafür Mitstreiter, um das Medium zu beobachten. Im Prinzip so etwas wie Bildblog für Breitbart News Deutschland. Auf die Inhalte und die Prämissen muss man nicht weiter eingehen, da sich die Zielsetzung mangels Gegnern auf deutschem Boden schnell geändert hat, und um den Elan der Projektteilnehmer nicht verebben lassen zu wollen, hat man sich neue Ziele gesucht. So traf man sich am 14.01.2017  in Berlin mit Freiwilligen zu einem Workshop, wie man gegen Populismus vorgehen könne oder eben dem, was man dafür hält.

Die Mittel und die Schlagkraft der Organisation sind im Moment bescheiden. Nachdem in den ersten Tagen die Unterstützungszahlungen auf Steady emporschnellten, verharren diese seit einigen Monaten bei unter 2.000 EUR im Monat. Dies dürfte gerade reichen um die grundsätzlichen Kosten zu decken. Der Twitter Account von Schmalbart hat knapp 3.800 Follower. Ein informierter Blick in die Follower Liste lässt erkennen, daß die meisten Follower nur aus Kritikern dieses Projekts bestehen. Die geringe Anzahl der Retweets, die zu einer Teilnahme von Aktionen aufrufen, bestätigen diesen Eindruck. Die Tweets, die sich kritisch mit Schmalbart beschäftigen, erreichen teilweise die 50fach größere Reichweite.

Ob CDU-nahe Spin-Doktoren wie die MSL Group, die mit PR Kontakten unterstützt und Multiplikatoren direkt angesprochen hat, die Unterstützung angesichts der fehlenden Relevanz aufrecht erhalten wird, wird sich noch zeigen. Daß Scholz & Friends mit dem neu gewonnenen  Etat ‚Demokratie leben!‘ aus dem Familienministerium, sich direkt an dem Projekt beteiligt, ist an diesem Freitag weniger wahrscheinlich geworden. Aber viele werden hier ein aufmerksames Auge darauf haben.

Finde den Hetzer

Vor wenigen Tagen hat Schmalbart eine neue Website veröffentlicht. Auch hier möchte man sich mit Populismus beschäftigen und nennt das Projekt „Beobachter Völkischer“. Ein Wortspiel in Anlehnung des NSDAP-Parteiorgans „Völkischer Beobachter“ ist nun also der Titel einer Plattform, die sich mit Populismus beschäftigen will.

Wer bis hierhin gelesen hat, den wird es nicht überraschen, daß auf der Liste der Medien, die man beobachten will, auch die Achse des Guten und Tichys Einblick stehen. Die Abwesenheit des einzigen intellektuellen Magazins, dem man eine Nähe zum völkischen Nationalismus unterstellen könnte, spricht allerdings Bände. Man will sich nicht ernsthaft mit völkischen Ideologien beschäftigen, aber stellt dafür andere in ihre Nähe.

Wer die Chance haben will, sich politisch Gehör zu verschaffen, dem verbietet sich ein solcher Vergleich. Höflich gesprochen. Etwas offener gesagt, wer die beiden Magazine in die Nähe der völkischen Bewegung stellt, einer nationalistischen Bewegung, deren Wesensmerkmal seit dem Ende des 19. Jahrhunderts untrennbar mit dem Antisemitismus verbunden ist, ist ein politischer Hetzer.

Aber vielleicht ist das alles kein Unfall, wie schon im Fall von Hensel und Zimmer aufgezeigt wurde. Man kann nur beobachten, daß eine Diskussion über diesen Aspekt unerwünscht ist. Der besonnene Dresdner Blogger Stefanolix hat am 06.03.2017 einen guten Beitrag zu diesem Thema veröffentlicht. Die Reaktionen von Schmalbart auf Twitter auf Stefanolix‘ Text sprechen eine eigene Sprache. „Ausgerechnet aus Dresden“, hieß es am 07.03.2017 auf Twitter. Um Schmalbart zu kritisieren darf man also nicht am falschen Ort wohnen. Manche würden so etwas als Rassismus bezeichnen, in jedem Fall ist es Diskriminierung.

So lange die Macher von Schmalbart sich nicht von ihren Methoden des politischen Extremismus glaubwürdig distanzieren und entschuldigen, sondern an dieser Diffamierung festhalten, darf man sich nicht auf die Diskussion ihrer Inhalte einlassen. Die rote Linie ist hierbei überschritten und jede Diskussion würde bedeuten, diese unlauteren Methoden zu akzeptieren.

Ein feiner Kerl

Was einen aber nicht davon abhalten sollten, die weiteren Protagonisten unter die Lupe zu nehmen. Ein sehr fleißiger Beobachter vermeintlich Völkischer ist Detlef Gürtler. Wer über ein gutes Gedächtnis verfügt, dem sagt dieser Name noch etwas. Im Internet kann man hierzu wenig finden, aber zu Detlef Gürtler gibt es eine Geschichte, die seiner journalistischen Reputation bis heute nachhaltig schadet.

So schrieb die FTD im Jahr 2008 folgendes:

Am 26. Oktober 2004 sind es 4199,20 Euro, einen Monat später nochmals 1044,00 Euro, die auf dem Konto des Wirtschaftsjournalisten eingehen. So geht es das ganze Jahr über. Mal sind die Beträge höher, mal nur im Bereich von 200 Euro. Angewiesen werden die Zahlungen immer von der gleichen Firma: Control Risks Deutschland GmbH, jener Wirtschaftsdetektei, die vielen deutschen Firmen bei Sicherheitslücken und Informationslecks hilft. Der Journalist räumte gestern gegenüber der FTD sein Engagement für Control Risks ein. Mit dem Fall Telekom habe seine Arbeit für Control Risks nichts zu tun, beteuert er. „Ich habe gegen kein Gesetz verstoßen“, sagte der Journalist, der auf seiner Internetseite als freier Publizist und Unternehmensberater auftritt. Zwar ist ein Doppelengagement als Journalist und gleichzeitig für ein Unternehmen wie Control Risks möglicherweise keine juristische Frage. Eine ethische ist es aber sehr wohl. Denn anders als die meisten Journalisten will Control Risks brisante Fakten nicht der Öffentlichkeit präsentieren, sondern nur den eigenen Kunden.

Hier ist die Rede von Detlef Gürtler, der im Zuge des Überwachungsskandals der Deutschen Telekom unter die Räder gekommen ist. Die Veröffentlichung seiner privaten Kontoauszüge deckten eine Verbindung zwischen ihm und Control Risks auf. Dieses Unternehmen, je nach Lesart eine Agentur für Risikomanagement oder Wirtschaftsdetektei, spielte eine Rolle in der Telekom-Affäre. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, daß Gürtler keine Rolle in dieser Affäre hatte. Im Gegenteil, seine kritischen Artikel zur Telekom machten ihn erst zur Zielscheibe. Aber seine journalistische Ethik war zu diesem Zeitpunkt in Frage gestellt.

Einige Jahre später wollte die Süddeutsche Zeitung die Hintergründe seiner Tätigkeit für Control Risks erfahren haben und schrieb dazu am 17. Mai 2010:

Gürtler darf über sein Engagement für Control Risks nicht reden, aber ein Detail wurde aus Sicherheitskreisen durchgestochen. Danach soll der Journalist Control Risks bei einem heiklen Auftrag beraten haben: Ein Energiekonzern suchte einen Insider, der Informationen aus dem Unternehmen an einen Berliner Journalisten weiterreichte. Gürtler habe niemanden denunziert, sondern nur anhand der Berichterstattung analysiert, wo das Loch sein könnte, aus dem die Infos abflossen. Einige Kollegen brachen damals mit ihm.

Mit vollem Recht hat Gürtler keine Anstellung mehr in einer relevanten Redaktion erhalten. Ein investigativer Journalist, der Unternehmen dabei hilft Whistleblower zu enttarnen, hat jede Vertrauenswürdigkeit verloren. Die Pointe der Geschichte ist, daß bei den Zusammenkünften von Schmalbart darum gebeten wird, keine Fotos, Videos und sonstigen Aufzeichnungen anzufertigen, weil diese in die falschen Hände geraten könnten.

Eine Schlammschlacht auf Facebook

Weniger mit einem Verstoß gegen ethische Prinzipien, sondern mit ausfälligen Bemerkungen über ehemalige Mitstreiter, ist hingegen Christoph Giesa aufgefallen. Ein Thema der Moral. Christoph Giesa nahm auch an dem ersten Treffen zu Schmalbart teil und beantwortete die grundsätzlichsten politischen Fragestellungen. Am Zulauf gemessen wurde hier schnell klar, daß die Teilnehmer über wesentlich weniger Kenntnisse verfügen, als sie den Anschein erwecken möchten. Derzeit tingelt er mit Hensel durch die Lande, beide sind vor kurzem bei einer Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung in Hamburg aufgetreten. Die Beliebigkeit des politischen Liberalismus in Deutschland ist Legion.

Christoph Giesa ist Verfasser mehrerer Bücher und freier Autor verschiedener Publikationen. Seine letzten beiden Bücher über die „rechte Gefahr“ verfaßte er gemeinsam mit Liane Bednarz. Eigentlich würde Frau Bednarz einen eigenen Artikel verdienen, aber aus Rücksicht vor menschlichen Schwächen ist es besser zu schweigen. Umso amüsanter ist der Zwist, den Christoph Giesa mit ihr auf Facebook losgetreten hat. Die Raserei habe ich in einem Twitter-Thread zusammengefasst.

Wer Bednarz kennt, wird dazu neigen, ihm zuzustimmen. Das Mitleid hält sich aber in Grenzen. Er hätte schließlich das Gespräch mit den Personen suchen können, die Liane Bednarz unermüdlich angreift. Er hätte mehr über ihre Persönlichkeit, ihre Motivation verstanden und die unerzählte Vorgeschichte erfahren. Diese Chance hat er vertan, weil man mit dem vermeintlichen Gegner nicht spricht. So bleibt auch er nur ein Opfer des phantasierten Krieges.

Christoph Giesa hat Liane Bednarz auf Facebook massiv angegriffen und versprach, diese Vorwürfe später zu belegen. Bis heute wartet das Publikum vergeblich auf die angekündigten Beweise. So bleibt nur ein Autor, der ehemalige Mitstreiter diffamiert, ohne hier den kleinsten Beleg zu liefern. Das wiederum passt allerdings in die Glaubwürdigkeit dieses journalistischen Netzwerks.

Was für ein Haufen.


Nachtrag 18.03.2016:

Frank Zimmer hat darauf aufmerksam gemacht, daß die Redaktion der Werben & Verkaufen auf der Hiltschiner und nicht der Gutschiner Strasse ist.

Detlef Gürtler war unzufrieden. Dem Satz „Mit vollem Recht hat Gürtler keine Anstellung mehr in einer relevanten Redaktion erhalten.“, wurde  das Wort „relevanten“ nachträglich hinzugefügt, damit die formallogische Gültigkeit der Aussage wieder hergestellt ist, auf die Herr Gürtler insistierte.

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26 Kommentare zu „Die Ethik des Journalismus in Zeiten von Trump“

  1. „Der besonnene Dresdner Blogger Stefanolix hat am 06.03.2017 einen guten Beitrag zu diesem Thema veröffentlicht. Die Reaktionen von Schmalbart auf Twitter auf Stefanolix‘ Text sprechen eine eigene Sprache. ´Ausgerechnet aus Dresden´, hieß es am 07.03.2017 auf Twitter. Um Schmalbart zu kritisieren darf man also nicht am falschen Ort wohnen.“

    Ein paar Schritte weitergedacht …
    Was, wenn Stefanolix seinen Wohnsitz nach, sagen wir mal, Cottbus verlegt?
    Darf er dann die Fragen stellen?

    Oder nimmt er die Dresden-Eigenschaft mit?
    Wenn ja, wie geht man praktisch damit um?
    Sollten die nach Außerhalb verzogenen Dresdner als Geltungsdresdner markiert werden, zum Beispiel mit einem handtellergroßen gelben „D“, welches an gut sichtbarer Stelle auf die Kleidung zu nähen ist und dessen Verdecken durch Kragen, Taschen oder Aktenmappen bei Strafe verboten ist?

    So viele Fragen, auf die die Schmalbärte in den nächsten Wochen die Antwort liefern werden.
    Ich freu mich drauf.

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    1. Hallo! Ich habe mich über den bewussten Tweet mit der Anspielung auf Dresden nur sehr kurz geärgert. Ich vermute, dass bei Schmalbart mal der eine und mal der andere Aktivist twittern darf – und manche sind vielleicht etwas übermotiviert. Den Dushan Wegner haben sie ja ähnlich gepiesackt.

      Nachdem Schmalbart irgendwann begriffen hatte, dass ich trotz meines Wohnorts Dresden ein liberaler Demokrat und kein Rechtsextremist bin, hat es kein verbales Nachtreten mehr gegeben.

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      1. “Nachdem Schmalbart irgendwann begriffen hatte, dass ich trotz meines Wohnorts Dresden ein liberaler Demokrat und kein Rechtsextremist bin, hat es kein verbales Nachtreten mehr gegeben.

        Da geht einem doch das Herz auf. Man muß nur nachweisen, dass man trotz des Wohnorts Dresden ein liberaler Demokrat ist, und schon erhält man Redeerlaubnis.

        Was kommt als nächstes, was muss ich als nächstes nachweisen?
        Dass ich kein Jude bin?
        Kein Kommunist?
        Kein Sozialdemokrat?
        Kein Bibelforscher?

        Sind darüber hinaus weitere Nachweise nötig, etwa ein arischer oder türkischer Ahnenpass?

        Mann, Stefanolix, wenn Du Dich der Phrasologie der zeitgeistmäßig im bunten Gewand daherkommenden Faschisten unterwirfst, hast Du die Legitimität des Faschismus schon bestätigt.
        Ich würde mir das noch mal überlegen.

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      2. Das war (halb) ironisch gemeint. Eine »Redeerlaubnis« stand aber wirklich nicht zur Diskussion. Das zitierte Argument von Schmalbart führte sich ohnehin selbst ad absurdum.

        Ohne Ironie: Ich bin für Redefreiheit, auch wenn es kommunistische Parolen oder AfD-Slogans sind. Allerdings werden es Fundamentalisten jeder Art mit meinen Antworten schwer haben.

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  2. „Bei seinen Kollegen im Verlag ist er als links-liberaler Grüner bekannt“. War mir neu, weil ich kein Grüner bin und nicht für die Grünen werbe. Eventuell haben Sie im falschen Verlag recherchiert. In der „Gitschiner Straße“, wie Sie schreiben, sind wir jedenfalls nicht.

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    1. Dies war nicht im Sinne einer Parteimitgliedschaft gemeint und ich habe nicht geschrieben, daß Sie für die Partei werben würden.

      Vielen Dank für den Hinweis auf den falschen Strassennamen. Da habe ich einen Flüchtigkeitsfehler gemacht. Ich meine die Hultschiner Strasse. Das Gebäude mit der großen Glasfront und der rückwärtigen Cafeteria auf der linken Seite wenn man eintritt.

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  3. Interessant. Auch in den Fehlern. So verstehe ich ganz und gar nicht, wieso der von Ihnen zitierte Süddeutsche-Artikel über die rechtswidrige Ausspähung von Journalisten (darunter auch ich) durch die Deutsche Telekom auf den 17. Mai 2010 datiert ist – denn erschienen ist er im November 2009. Die falsche Datierung stammt wohlgemerkt nicht von Ihnen, sondern von der SZ-Webseite; das macht sie aber nicht richtiger.
    Eine falsche Tatsachenbehauptung sollten Sie allerdings korrigieren bzw. streichen – Ihre Behauptung nämlich, ich hätte „keine Anstellung mehr in einer Redaktion erhalten“. Ich war von 2008 bis 2016 als Chefredakteur tätig, wie Ihnen zwei weitere Minuten Recherche sicherlich bestätigen können.

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    1. Wenn die Tätigkeit als Chefredakteur eines vierteljährliches Magazin eines Instituts ein befriedigender Ersatz für ihre Bemühen wieder in eine Festanstellung eines Publikumsmagazins zu kommen, dann freut mich das für Sie.

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      1. Okay, dann sag‘ ich’s noch mal deutlicher: Sie stellen in ihrem Text eine falsche Tatsachenbehauptung auf. Die Sie nicht dadurch verbessern, dass Sie eine weitere falsche Behauptung aufstellen, nämlich die, ich hätte mich in dem Zeitraum zwischen 2008 und heute jemals um eine Festanstellung bei einem Publikumsmagazin bemüht. Ich halte Sie für professionell genug, solche Behauptungen zu korrigieren bzw. zu löschen. Schreiben können Sie ja ganz ordentlich.

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  4. Es wird mit Ihrem Nachtrag nicht besser: Sie behaupten dort, dass ich etwas „angemerkt“ hätte, was ich gar nicht angemerkt habe. Unterlassen Sie es bitte, um weitere Auseinandersetzungen hier oder anderswo zu vermeiden, neue falsche Tatsachenbehauptungen aufzustellen, wenn man Ihnen alte falsche Tatsachenbehauptungen nachweist. Und korrigieren beziehungsweise streichen Sie die entsprechenden Passagen – und zwar ohne von neuem Unwahres von sich zu geben.
    Der von Ihnen jetzt geänderte Satz im ursprünglichen Text ist übrigens nicht „formallogisch gültig“, sondern weiterhin unwahr. Offenbar hatte ich Ihre Professionalität doch überschätzt. Es scheint also keinen Sinn zu haben, darüber weiterhin hier zu debattieren. Erfüllen Sie bitte einfach die Ihnen nach Presserecht obliegende Pflicht.

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    1. Schön dass Sie sich zu Wort melden, Detlef Gürtler.
      Dann können Sie gleich mit die Frage beantworten, ob nur Dresdner keine Fragen stellen dürfen oder ob das Frageverbot auf für ehemalige Dresdner zutrifft, wenn die jetzt in einem andern Ort leben.

      Die Antwort wird Ihnen sicherlich leicht fallen, in Ihrer Eigenschaft als intellektuelles Schwergewicht mit der langjähriger Erfahrung als Chefredakteur.

      Für Ihre Bemühungen bereits im Voraus vielen Dank.

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    2. Sobald sich die Debatte in Details verfranst, höre ich üblicherweise auf mit Lesen.

      Hier haben wir gleich am Anfang einen Fall, wo der sich zu Unrecht kritisiert Fühlende nicht mehr zu bieten hat als Empörung über falsch gesetzte Kommas und fehlende I-Punkte. Damit bestätigt er (auch wenn Gürtler das offenbar nicht mal bemerkt), dass die Kritik in der Hauptsache zutrifft.

      Wenn Herr Gürtler den Ehrgeiz hat, sich maximal zu blamieren, dann immer zu.
      Der Spaßfaktor steigt mit jedem Post.
      Bitte machen Sie weiter so, Herr Gürtler, das Leben ist ernst genug.

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  5. Herr Giesa hatte allerdings tatsächlich zwei umfangreiche Blogartikel über Frau Bednarz veröffentlicht. Im Zuge der ganzen Sache hat sie meiner Erinnerung nach auch ihren Job verloren.

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  6. Ich finde Ihren Artikel, obzwar seltsam zweigeteilt, „in diesen Tagen“ sehr gut geschrieben (am Anfang etwas zu sehr Journalismus-Schule, für meinen Gschmack), aber am Ende hbe ich das Gefühl, dass der Käse zu dick auf dem Brot liegt.
    Am meisten stört mich diese übermäßige Beschäftigung mit Personen. Das ist eine Unsitte des berichtenden Gewerbes, den Human-Interest-Faktor weit über das zu stellen, was inhaltlich interessant wäre. Es geht zudem uch am Kern Ihrer Veranstaltung vorbei, nämlich sich mit den „Angriffen auf die bürgerliche Kritik“ zu befassen.
    Ich (übrigens kein Journalist und einer von rund 200 anderen, die sich über die Schmalbart-Plattform tendenziell besänftigend in die Internet-Saalschlachten einbringen möchten) würde mir wünschen, Sie kämen klarer auf die Fragen sprechen, die tatsächlich unklar und schwerer begreiflich sind, als das Mühlrad der unproduktiven Anfeindungen weiter in Schwung zu bringen. Tatsächlich wird – so meine Beobachtungen seit einigen Jahren, nicht etwa erst seit September 15 – die bürgerliche Kritik ja nicht nur von denen unterminiert, die bestimmte bürgerliche Positionen mehr oder weniger einleuchtend kritisieren, sondern viel tiefgehender von denen, welhe die Maßstäbe des bürgerlichen Denkens paralysieren. Dazu gehören illustre Namen und Hunterttausende Namenlose, die alle gemeimsam das Ihrige tun, vermöge von Zank, Gebrüll, Borniertheit, Irrationalität und von feinziseliertem Bullshitting ein Plasma des Wahnsinns zu erzeugen, in dessen täglichen grellen Entladungen die „bürgerliche Kritik“ höchstens noch am Rande existieren kann.
    Es ist daher völlig unproduktiv, nach persönlichem Geschmack auf diese oder jene Person zu deuten, wenn man nicht den ganzen fürchterlichen Zusammenhang benennen will und wenn man – das ist viel wichtiger – nicht den Mut aufbringt, auch seine eigene Affektlage in Frage zu stellen. Wenn man den Medienenwandel (Schwammwort!) nur noch so versteht „daß Überschriften in den digitalen Medien die Funktion des Titelblatts übernommen haben“ , also sich vor dem Zwang zum Reißerischen zu Boden wirft, weil das Reißerische die letzte für den Journalismus relevante Tatsache sei, trägt man dann nicht auch Entscheidendes zur Einäscherung der bürgerlichen Kritik bei? Ich meine schon.
    In diesem Hexenkessel stecken aber nicht nur der da oder die da (man kann da mühelos jeden mit Beleg und Stempel reinstecken, der einem gerade nicht passt), sondern eben längst fast jeder, der den Mund auftut, leider oft auch einschließlich derer, die meinen, sie würden das ausgewogene Formulieren, sachgerechte Argumentieren und gerechte Abwägen verteidigen.
    Wo sind nur die Menschen hin, die sich noch zu etwas äußern können, ohne dies mit einer mehr oder weniger überflüssigen Anfeindung zu verbinden?!
    Dass Extremisten immer aggro sind, ist ja klar. Aber wieso denn auf einmal alle und jeder? Wo soll es denn hingehen – immer höher in die Hyperbel der Polarisierung? Wie banal ist die Frage, wer in dem Kessel mehr als andere rührt, gegenüber der Frage, wie wir aus dem Kessel herauskommen?
    Ich bin bei Schmalbart eben deswegen dabei.
    Freundlichen Dank für Ihre Hinweise, dass sich die ausgesprochen heterogene Schmalbart-Friedenstruppe, gemessen an ihren Wünschen und Zielen, nicht immer sehr geschickt anstellt. Wir wissen das übrigens schon selbst. Ich glaube allerdings, das hätte man pointierter formulieren können. Und freundlicher. Vor allem bürgerlicher. Und so, dass mal einer ins Grübeln kommt.
    (Entschuldigung, wenn dieser Kommentar stellenweise polemisierend klingt. Meine Stimmung ist eher bedrückt.)

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    1. Vielen Dank für Ihre Kritik und Ihre Auseinandersetzung. Es ist ein langer Essay mit vielen Verknüpfungen, die aufgrund der Länge nicht unbedingt offensichtlich sind. Der Text handelt nicht alleine von Schmalbart sondern drückt in erzählerischer Form mein Unbehagen aus, daß die politische Debatte zunehmend polarisiert wird und seit der Trump-Wahl viele auf diesen Zug springen.

      Wem die “Versachlichung und Klärung, um saubere Diskussion und [der] Streit um Standpunkte” am Herzen liegt, aber zugleich eine Beobachtungsliste von Medien und Personen erstellt und diese als “völkisch” bezeichnet, ist entweder an einer Debatte nicht interessiert oder opfert seine eigenen Ansprüche für einen diffamierenden Wortwitz.

      Aber es spricht Bände über die Geisteshaltung, wie ich anhand einiger Protagonisten und nahestehender Personen versucht habe zu beschreiben. Und ich werde mich auch inhaltlich nicht weiter dazu äußern, wie schon im Text geschrieben, solange man diesen Fehler nicht eingesteht und korrigiert. Für mich fehlt die Voraussetzung für eine weitere Debatte zu diesem Projekt.

      Auf FB hat sich Schmalbart dazu geäußert, daß die Korrektur dieses Fehlers diskutiert wird und ich bin gespannt, wie das Urteil und der Zeitrahmen dafür ausfällt. In der Zwischenzeit werde ich meinem Wort treu bleiben und mich eventuell zum einem späteren Zeitpunkt mit einem weiteren Beitrag zu Schmalbart äußern. Ich verspreche Ihnen, daß dann keine Personen im Mittelpunkt stehen werden. Zu den Prämissen, den Inhalten und den politischen Rahmenhandlungen hätte ich noch einiges beizutragen.

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  7. … einer von rund 200 anderen, die sich über die Schmalbart-Plattform tendenziell besänftigend in die Internet-Saalschlachten einbringen möchten“

    Ein linksextremistisches Hassportal will sich besänftigend einbringen.
    Ganz mein Humor. Bitte mehr davon

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    1. Danke, ganz mein Seufzen, wie oben ausgeführt: Warum immer maßlos überziehen? „Hassportal“ – dann lesen Sie bitte einmal den aktuellen „Lagebericht 3“ ( https://www.schmalbart.de/2017/03/5535/ ) „Linksextremistisch“ ist augensheinlich kein Wort, das näherungsweise für die Gesamtheit der Personen angebracht wäre, die sich bei Schmalbart einbringen.
      Sie antworten, als hätte ich um einen Beleg gebeten für die Hyperbel der Polarisierung. Egal was einer schreibt, ein Wort reicht, das den Anlass für ein bisschen sinnfreies Gezänk hergibt. Kennen Sie woher? Richtig, lieber Leser, die Leute, die auf die politisch korrekten Ausdrucksweisen acht geben, emotionalisieren sich auch stets lieber an einzelnen Wörtern oder gar Wortbestandteilen, als dass sie an Sinn und Zusammenhang interessiert sind.
      Sehen Sie wirklich nicht selbst, wie Sie mit an der Zerstörung dessen mitwirken, was Sie, hoffe ich, eigentlich erhalten wollten? Sie könnten doch Ihren Zweifel auch affektbeherrscht äußern (Zweifel ist an sich immer nachvollziehbar und für mich durchaus auch dort, wo Sie ihn hier anbringen möchten). Sie sagen nichts zu den Gedanken, die ich geschrieben habe, nur so ein bisschen Aggro-Retour.

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    1. Nein, meine ich nicht, habe ich auch mit keinem Wort irgendwo angedeutet oder nahegelegt. Insinuieren Sie nicht bloß? Ohne rechte Gründe?
      Wenn Sie wissen möchten, was ich meine: Menschen, denen Kanonenworte wie „Wahrheit“ immer noch ohne Stocken und Innehalten in die Tasten fließen, stehen für mein altmodisches Empfinden nicht mehr auf dem Boden des gutbürgerlichen Reflektierens. Diese Kampfdrohnen von subjektiv indizierten Wahrheiten, die über jeden Diskussionsversuch von links und rechts, oben und unten mit entsichertem Mundwerk herfallen, gehen mir allerdings ziemlich auf den Zeiger. Ihnen vielleicht auch?
      Ich kann nur vermuten, es geht Ihnen um eine solche „Wahrheit“, nämlich die, Schmalbart sei „linksextremistisch“? Wenn es dieser Punkt sein sollte, verrrate ich Ihnen jetzt Interna, die eigentlich nie nach draußen dringen sollten:
      (1) Bei den allermeisten Teammitgliedern weiß ich oder steht sicher zu vermuten, dass sie ohne festgestellte Magnetnadel ihre politischen Sympathien problembezogen zwischen den üblichen politischen Optionen und Ratlosigkeiten auspendeln.
      (2) Von einigen weiß ich, dass sie definitiv zu viel mit der altbürgerlichen Presse zu tun haben, als dass man sie als „linksextrem“ bezeichnen dürfte, es sei denn man würde irgendeinen selbstgemachten Begriff davon haben (was ja manchmal bei denen vorkommt, die z.B. einen wie Höcke für eine Respektsperson halten).
      (3) Buchstäblich niemand von den Schmalis weiß genau, was die einzelnen Schmalis tatsächlich politisch genau denken. Es spielt auch keine Rolle. Schmalbart hat keine politische Agenda, außer der, dass wir uns gegen Populismus in allen 3 Dimensionen wenden (als Rhetorik, als Strategie und als Programm). Wir fabrizieren dementsprechend keine agitatorischen Meme, halten keine volksverführerischen Video-Reden, unterstützen keine bestimmten politischen Programme.
      Wenn wir jetzt in dieses kontroverse Aufeinanderprallen die leider etwas unmodisch gewordenen Sekundärtugenden wie Nachdenklichkeit, Begründungsfleiß oder mitmenschliche Freundlichkeit einbetten könnten … wäre das nicht schön? Was sich da in Gesprächen erreichen ließe!

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      1. Das „linksextrem“ hatte ich gestern Abend ohne weiteres Überlegen reingerotzt.
        Treffender wäre: Hass- und Diffamierungsplattform (ungeachtet dieses oder jenen Hofnarren)
        Ansonsten bleibt es dabei.

        Die Systemparteien hetzen gegen alle Andersdenkenden, auch gegen Breitbart.
        Die Gewerkschaftsbonzen hetzen gegen alle Andersdenkenden, auch gegen Breitbart.
        Die Kirchen hetzen gegen alle Andersdenkenden, auch gegen Breitbart.
        Die Wissenschaft hetzt gegen alle Andersdenkenden, auch gegen Breitbart.
        Die Medien hetzen gegen alle Andersdenkenden, auch gegen Breitbart.
        Schmalbart hetzt gegen alle Andersdenkenden, auch gegen Breitbart.

        Das sieht man gleich, Schmalbart ist anders als die anderen.

        Natürlich kann (und will) ich nicht in die Gehirne der Propagandaaktivisten schauen.
        Nur, welche Motivation hat einer dabei mitzumachen, wenn Schmalbart im Kern nichts anderes tut als alle anderen im undemokratischen Block der Nationalen Front gleichgeschalteten Parteien und Massenorganisationen?

        Die Frage stellen, heißt sie beantworten.

        “Wenn wir jetzt in dieses kontroverse Aufeinanderprallen die leider etwas unmodisch gewordenen Sekundärtugenden wie Nachdenklichkeit, Begründungsfleiß oder mitmenschliche Freundlichkeit einbetten könnte“

        So, so.
        Dann könnten Sie als erstes mal unseren couragierten Thomas de Courage-Maiziére fragen, mit welcher Begründung er Lutz Bachmann als „harten Rechtsextremist“ bezeichnet.
        Speziell unter dem Gesichtspunkt, dass der Innenminister im Amt ganz besonders an die rechtsstaatlichen Grundsätze (hier Unschuldsvermutung) gebunden ist.

        In seiner Äußerung sehe ich nämlich kein Fitzelchen „Nachdenklichkeit, Begründungsfleiß oder mitmenschliche Freundlichkeit“.

        Wenn Sie die Antwort haben, lassen Sie es uns wissen. Ich bin bestimmt nicht der einzige, den das interessiert.

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  8. Auf Beobachter Völkischer bin ich nur mal kurz vom Stefanolix-Blog aus abgesprungen. Heute mal genauer durchgelesen und was soll ich sagen, noch schlimmer als gedacht.

    Der linksextremistische Hassist Gürtler beginnt seine letzte Suada mit den Worten
    Eines der besonderen Merkmale der Hassisten von breitbart.com …

    So sieht das also aus, das von D Grimmboldt angemahnte „gutbürgerliche Reflektieren“. Und “aggro“ ist das überhaupt nicht.
    Offenbar ist das typisch für die Schmalbart-Fuzzis, dass die sich „affektbeherrscht äußern“, weil es ihnen „um Versachlichung und Klärung, um saubere Diskussion und Streit um Standpunkte“ geht.
    Der ganze Text strotz nur so von „Sekundärtugenden wie Nachdenklichkeit, Begründungsfleiß“ und „mitmenschlicher Freundlichkeit“.

    Ich schließe mich cintralis Konklusion an:

    Was für ein Haufen.

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  9. Beobachter-Völkischer macht jetzt weiter als vox-populisti.

    Unter dem Artikel vom 22. März 2017, Breitbart: Merkel lanciert Falschmeldung bei Besuch im Weißen Haus, hatte ich (mit Nick TakeoffLive) darauf hingewiesen, dass der MDR wieder mal den Fake-News-Klassiker gebracht hat.
    Der Link funktioniert. Auf den Link klicken bringt die aktuelle auf Twitter gemeldete Fake-News.
    Dort ist auch das Datum zu sehen: 2:13 AM – 11 Mar 2017

    Was mag der Grund sein für die abartige Antwort von D. Grimmboldt?
    Verlogenheit kommt eigentlich nicht in Frage. So wahnsinnig ist doch keiner, so dumm zu lügen, dass die Lüge schon beim ersten Mausklick auffliegt.

    Es sei denn, er lebt unter dem Einfluss von bewusstseinsveränderten Drogen.

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  10. „Wann kommt die Erschöpfung“ titelte vox-populisti am 27. April.
    Der letzte Artikel ist vom 18. Mai. Dieses Datum dann auch die Antwort auf die Frage der Titelzeile vom 27. April nehmen.

    Sie kam schneller als gedacht, die Erschöpfung.
    Da kommt auch nichts mehr.

    Was wollen die denn noch bringen, nach der Hamburg-Mugge mit ihren Gewalt- und Strafvereitelungsexzessen?
    Hat der Akif wieder mal Jehova gesagt?

    Da haben sich die neohassistischen AgitProp-Aktivisten Grimmboldt und Gürtler schon in den Sand manövriert, bevor sie überhaupt durchstarten konnten.
    Ist eben blöd, wenn man intellektuell so gar keine Substanz besitzt.

    Man vergleiche das Desaster mit ihren großspurigen Ankündigungen und Beschwerden hier.

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